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Kanalinspektion verständlich erklärt: Kamerabefahrung, Reinigung und Dichtheitsprüfung

5. November 2026· 9 Min. Lesezeit
KI-generiertes Bild: Ein Techniker schiebt eine Kanalkamera in den offenen Kontrollschacht eines Einfamilienhauses, neben ihm zeigt ein Monitor das Live-Bild aus der Grundleitung

Riecht es im Gäste-WC immer wieder nach Abwasser, liegt die Ursache oft unter der Bodenplatte. Was sich dort abspielt, bleibt dem Auge verborgen. Mit einer Kanalinspektion lässt sich das sichtbar machen, ganz ohne Bagger. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Reinigung, Kamerabefahrung und Dichtheitsprüfung ineinandergreifen. Sie lesen, wie ein Termin abläuft, wie die Aufnahmen zu verstehen sind und welche Vorgaben in NRW zu beachten sind.

Was gehört eigentlich zu einer Kanalinspektion?

Häufig wird Kanalinspektion mit der reinen Kamerafahrt gleichgesetzt. Aus fachlicher Sicht handelt es sich jedoch um drei Schritte, die aufeinander aufbauen. Am Anfang steht die Reinigung des Rohrs, danach folgt die Befahrung mit der Kamera. Geht es um die Frage, ob die Leitung dicht ist, schließt sich eine Bewertung oder eine zusätzliche Prüfung mit Wasser oder Luft an. Wer nur einen dieser Schritte in Auftrag gibt, erhält häufig keine vollständige Antwort. In einem verschlammten Rohr sieht die Kamera eben Schlamm und keinen Riss.

  • Reinigung: Eine Hochdruckspülung löst Ablagerungen und Schlamm aus dem Rohr.
  • TV-/Kamera-Inspektion: Die Fahrt durch das Rohr wird aufgezeichnet, jeder Befund erhält eine Meterangabe. Bei Bedarf wird die Position zusätzlich von oben geortet.
  • Dichtheitsprüfung: Sie zeigt, ob Abwasser in den Boden gelangt oder ob Grundwasser und Wurzeln in die Leitung eindringen. Die Prüfung erfolgt optisch oder per Druckprüfung.

Beim Einfamilienhaus stehen meist die Grundleitung, also die Rohre unter der Bodenplatte und im Erdreich, sowie der Anschlusskanal bis zum öffentlichen Kanal im Mittelpunkt. Die Grundleitung ist für niemanden einsehbar. Schäden machen sich dort nur über Umwege bemerkbar, etwa durch Rückstau oder Pflaster, das über dem Leitungsverlauf absackt. Zuständig für diese Leitungen ist üblicherweise der Eigentümer des Grundstücks. Ob seine Verantwortung an der Grundstücksgrenze endet oder bis zum Hauptkanal in der Straße reicht, legt die Entwässerungssatzung der Kommune fest.

Wann ist eine Inspektion sinnvoll?

Eine jährliche Kamerabefahrung ist nicht notwendig. Lohnend wird sie, wenn eine bestimmte Frage geklärt werden soll. Das betrifft auch den Moment, bevor eine Leitung für lange Zeit unter neuem Pflaster oder einem Anbau verschwindet. Typischerweise sind dies die Gründe:

  • Verstopfungen, die trotz Reinigung immer an derselben Stelle auftreten. Ursache sind dann häufig Versatz, Wurzeln oder Gegengefälle.
  • Hauskauf: Den Zustand der Grundleitung kennen, bevor der Kaufvertrag unterzeichnet ist.
  • Umbau, Anbau, neue Bodenplatte oder Pflasterarbeiten. Geprüft werden sollte vorab, solange alles noch zugänglich ist.
  • Feuchte Wände im Keller, Geruch im Untergeschoss oder abgesacktes Pflaster über der Leitung.
  • Wasser im Keller nach Starkregen oder erkennbarer Rückstau aus Bodenabläufen.
  • Ein Schreiben der Kommune, das eine Dichtheitsprüfung verlangt.

In Bergisch Gladbach und Umgebung spielt zudem der Gebäudebestand eine Rolle. In zahlreichen älteren Wohngebieten, beispielsweise in Refrath, Bensberg oder Paffrath, bestehen die Grundleitungen aus Steinzeug oder Beton und wurden vor Jahrzehnten mit Muffen verbunden. Diese Verbindungen lockern sich im Lauf der Zeit, der Untergrund setzt sich, und ältere Bäume strecken ihre Wurzeln dorthin, wo es feucht ist. In Hanglagen, die im Bergischen Land verbreitet sind, folgen die Leitungen außerdem den Bewegungen des Bodens. Am Bildschirm erkennt man das dann als versetzte Muffen oder eingewachsene Wurzeln.

Auch nach einem Starkregen kann eine Inspektion ratsam sein. Drückt Wasser aus den Bodenabläufen in den Keller, sollte neben der Rückstausicherung auch die dahinterliegende Leitung untersucht werden. Häufig klärt erst die Kamera, woher das Wasser stammte. Möglicherweise wurde es aus dem öffentlichen Kanal zurückgedrückt. Denkbar ist aber auch, dass ein verengtes Rohr auf dem eigenen Grundstück das Wasser nicht zügig genug ableiten konnte.

Wie läuft eine TV-Kamerainspektion ab?

Bei einem üblichen Einfamilienhaus genügt für die Inspektion meist ein einziger Termin. Die Dauer richtet sich in erster Linie danach, wie gut die Leitungen erreichbar sind und wie viel Ablagerung vorher entfernt werden muss. Der Ablauf folgt stets einem ähnlichen Muster:

Schritte einer Kamerabefahrung

  1. Vorgespräch und Unterlagen
    Im Telefonat werden Anlass, Baujahr und Beschwerden geklärt. Halten Sie vorhandene Entwässerungspläne bereit. Daraus geht hervor, wo sich Revisionsöffnungen und Schächte befinden.
  2. Zugang herstellen
    Der Techniker öffnet den Kontrollschacht oder eine Reinigungsöffnung im Keller oder beginnt am Fallrohr. Gegraben wird für die Inspektion nicht.
  3. Leitung säubern
    Per Hochdruckspülung werden Fett und Schlamm gelöst und danach abgesaugt. Lassen sich harte Ablagerungen wie Urinstein oder Kalk so nicht entfernen, werden sie gefräst.
  4. Kamerabefahrung mit Ortung
    Die Kamera wird schrittweise, Meter um Meter, ins Rohr geschoben. Das Bild erscheint live auf dem Monitor und wird gespeichert. Über einen Sender im Kamerakopf können auffällige Stellen von oben geortet und markiert werden.
  5. Auswertung und Protokoll
    Sie bekommen das Video und eine Zustandsbeschreibung mit Meterangaben. Ergänzt wird dies durch eine Einschätzung, bei welchen Befunden gehandelt werden sollte und welche vorerst nur im Auge zu behalten sind.
Wie bereite ich den Termin vor?
Sorgen Sie dafür, dass Kontrollschacht und Revisionsöffnungen gut erreichbar sind. Während der Befahrung sollte kein Wasser ablaufen: Lassen Sie also zum Beispiel die Waschmaschine aus, denn fließendes Wasser verschleiert das Kamerabild.

Die Wahl der Kamera hängt vom Rohrdurchmesser ab. In Hausleitungen mit engen Bögen kommen Schiebekameras zum Einsatz, die über ein biegsames Schubkabel eingeführt werden. Abhängig vom Modell eignen sie sich ab etwa DN 25 bis DN 50. In größeren Kanälen werden selbstfahrende Kamerawagen genutzt, die ihren Kopf schwenken und Abzweige ausleuchten können. Für Hausbesitzer spielt die Technik eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass jede Leitung komplett befahren und ohne Lücken dokumentiert wird.

Was bedeuten die Bilder der Kamera?

Typische Befunde und was sie bedeuten

BefundWas dahinterstecktÜbliche Maßnahme
Verjüngung durch AblagerungenFett, Kalk oder Urinstein verengen den Querschnitt, das Abwasser staut sichReinigung, bei harten Ablagerungen Fräsen
WurzeleinwuchsWurzeln dringen über Muffen oder Risse ein, auch dort, wo die Verbindung wenig mechanischen Widerstand bietetWurzeln fräsen, Abschnitt danach abdichten
Muffenversatz, LageabweichungSetzung oder Bodenbewegung, an der Kante bleiben Feststoffe hängenJe nach Ausmaß Kurzliner oder Schlauchliner
Riss, ScherbenbildungLast von oben, Alterung des MaterialsSanierung, bei Einsturzgefahr offene Bauweise
Gegengefälle, DurchhangAbgesackter Abschnitt, in dem Wasser stehen bleibtOft nur durch Austausch des Abschnitts dauerhaft lösbar
Einragender AnschlussNicht fachgerecht angebundener ZulaufStutzen abfräsen, Anschluss abdichten

Welche Maßnahme passt, ergibt sich stets aus dem Gesamtzustand der Leitung.

Im Protokoll werden diese Befunde mit einem einheitlichen Kodiersystem erfasst, das die DIN EN 13508-2 vorgibt. Für Laien sind diese Abkürzungen kaum verständlich. Bitten Sie deshalb darum, Ihnen die entscheidenden Stellen direkt am Monitor oder im Video in verständlicher Sprache zu erläutern.

Ein Aspekt führt regelmäßig zu Fehleinschätzungen. Was auf den ersten Aufnahmen nach einem Rohrbruch aussieht, entpuppt sich oft als starke Verjüngung durch Ablagerungen, die nach dem Spülen nicht mehr vorhanden ist. Andersherum werden einige Schäden erst nach der Reinigung sichtbar, weil eine Fettschicht sie zuvor verdeckt hat. Aus diesem Grund kommt die Reinigung vor der Bewertung und nicht danach.

Für die weitere Planung ist die Meterangabe entscheidend. Sie verrät, an welcher Stelle sich ein Schaden befindet, etwa unter dem Wohnzimmer, unter der Garagenzufahrt oder im Vorgarten. Danach richtet sich, ob eine grabenlose Sanierung möglich ist oder ob eine offene Reparatur an einer gut erreichbaren Stelle naheliegt.

Kann ich eine Rohrkamera selbst verwenden?

Endoskop- und Rohrkameras sind mittlerweile im Baumarkt und online erhältlich. Für einzelne Fragen leisten sie gute Dienste, zur Beurteilung einer Grundleitung genügen sie jedoch nur selten. Der Unterschied betrifft weniger die Bildqualität als das, was über die Kamera hinaus dazugehört:

Eigene Kamera oder Inspektion durch den Fachbetrieb?

Eigene Rohrkamera

  • Geeignet für einen schnellen Blick in Siphon, Fallrohr oder Dachrinnenablauf
  • Kurzes Kabel, das in engen Bögen häufig hängen bleibt
  • Keine vorherige Reinigung, im Bild meist Wasser und Schlamm
  • Keine Ortung, wo der Befund unter dem Haus liegt, bleibt unklar
  • Aufnahmen werden nicht als Prüfnachweis anerkannt

Fachinspektion

  • Reinigung und Befahrung in einem Arbeitsgang
  • Schiebe- oder Fahrwagenkamera abgestimmt auf den Rohrdurchmesser
  • Meterangabe und Ortung für jede auffällige Stelle
  • Video und Protokoll mit einheitlicher Kodierung
  • Einschätzung, welche Maßnahme angebracht ist

Das größte Risiko in der Praxis: Die Kamera verkeilt sich in einem Bogen, an einer versetzten Muffe oder in einem Wassersack. Dann ist eine Bergung mit Fachgerät nötig, und aus dem kurzen Nachsehen wird ein Einsatz. Ebenso schwierig ist es, die Bilder richtig zu deuten. Ein dunkler Schatten an der Rohrwand kann auf einen Riss, eine Ablagerung oder schlicht einen Muffenspalt hindeuten. Fehlt die Erfahrung, entsteht entweder unnötige Beunruhigung, oder ein tatsächlicher Schaden bleibt unbemerkt.

Eine eigene Kamera ist sinnvoll, wenn Sie gezielt prüfen möchten, ob ein Siphon verstopft ist oder etwas im Fallrohr festhängt. Geht es dagegen um die Grundleitung, um Wurzeln oder um einen Nachweis für die Kommune, sollte ein Fachbetrieb die Inspektion übernehmen.

Wann ist eine Dichtheitsprüfung in NRW und Bergisch Gladbach vorgeschrieben?

Wenige Themen haben Eigentümer in Nordrhein-Westfalen so verunsichert wie die Dichtheitsprüfung. Inzwischen legen die Selbstüberwachungsverordnung Abwasser (SüwVO Abw) und das Landeswassergesetz fest, wann private Abwasserleitungen zu prüfen sind. Außerhalb von Wasserschutzgebieten wird eine Prüfung hauptsächlich bei einem Neubau, bei einer wesentlichen Änderung der Leitungen oder bei begründetem Verdacht auf einen Schaden erforderlich. Darüber hinaus darf eine Kommune per Satzung eigene Regelungen treffen. In Wasserschutzgebieten bestehen für ältere Leitungen feste Fristen, für gewerbliches Abwasser gelten gesonderte Vorgaben.

Ob Ihr Grundstück darunter fällt, beantwortet die Stadt Bergisch Gladbach oder die Kommune, in der sich das Haus befindet. Dort erfahren Sie auch, ob das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt. Erkundigen Sie sich vor der Auftragsvergabe, welche Art von Bescheinigung gefordert ist. In der Regel akzeptiert die Behörde nur Prüfungen, die von einem anerkannten Sachkundigen vorgenommen wurden.

Technisch stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Für bestehende Leitungen genügt nach DIN 1986-30 oft eine optische Zustandsprüfung mit der Kamera, wenn sie ordnungsgemäß dokumentiert wird. Bei neu verlegten Leitungen oder wenn die Aufnahmen keine klare Aussage erlauben, wird zusätzlich mit Wasser oder Luft geprüft. Dazu wird die Leitung verschlossen und beobachtet, ob Druck oder Wasserstand über die festgelegte Zeit konstant bleiben. Für neue Leitungen gelten die Prüfkriterien der DIN EN 1610.

Was muss im Prüfbericht enthalten sein?

  • Lageplan mit dem Verlauf sämtlicher geprüfter Leitungen
  • Videoaufnahme der kompletten Befahrung
  • Zustandsbeschreibung für jeden Abschnitt mit Meterangaben
  • Beurteilung, ob die Leitung als dicht eingestuft wird oder saniert werden muss
  • Angaben zur prüfenden Person und zum angewandten Verfahren

Was folgt auf den Befund, und wovon hängt der Preis ab?

Ein Befund führt nicht automatisch zur Sanierung. Ablagerungen und geringe Verjüngungen lassen sich mit einer gründlichen Reinigung beheben. Einzelne Risse oder undichte Muffen können häufig gezielt mit einem Kurzliner abgedichtet werden. Liegen mehrere Schäden in einem Abschnitt, wird ein Schlauchliner auf ganzer Länge eingezogen, der im bestehenden Rohr aushärtet. Eine offene Baugrube ist vor allem dann nötig, wenn ein Rohr eingebrochen ist oder ein deutliches Gegengefälle vorliegt.

Was eine Inspektion kostet, bestimmt weniger die Kamera als die Situation vor Ort. Maßgeblich sind vor allem die Länge der Leitungen und wie gut sie erreichbar sind. Ein frei zugänglicher Kontrollschacht ist rascher geöffnet als ein zugemauerter Revisionsdeckel. Dazu kommen etwa der Aufwand für die vorherige Reinigung und eine eventuelle Druckprüfung. Für Einsätze in der Nacht und am Wochenende wird in der Regel ein Zuschlag berechnet. Mit diesen Angaben lässt sich vor der Anfahrt eine Kostenschätzung erstellen:

  • Welche Leitungen sollen untersucht werden, und welche Länge haben sie etwa?
  • Sind Kontrollschacht und Revisionsöffnungen ungehindert erreichbar?
  • Gehört die Reinigung vor der Befahrung zum Angebot?
  • Erhalte ich ein Video und ein schriftliches Protokoll?
  • Ist eine Bescheinigung für die Kommune erforderlich?

Blome Rohrreinigung GmbH ist seit 1996 tätig. Gegründet wurde der Betrieb von Hans-Peter Blome in Leverkusen, inzwischen hat er seinen Sitz in Bergisch Gladbach. Das Team besteht aus vier Personen und nimmt regelmäßig an Schulungen teil. Der Betrieb gehört der Handwerkskammer zu Köln an und führt das Gütesiegel „Das Handwerk“. Seit 2010 umfasst das Angebot grabenlose Sanierung mit DIBt-zugelassenen Materialien. Vor der Anfahrt bekommen Sie eine Kostenschätzung.

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